Buhrufe für Weimer auf der Buchmesse ++ KI und Autoren ++ Buchhandlungspreise vergeben
Shownotes
In dieser Folge der Nachlese blicken wir auf eine turbulente Woche in der Buchbranche zurück. Die Leipziger Buchmesse ist zu Ende gegangen – und sie hatte es in sich. Im Mittelpunkt stand einmal mehr der Skandal um den Deutschen Buchhandlungspreis: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sorgte mit seiner Abwesenheit, seinen Rückzügen und schließlich doch einem überraschenden Auftritt für ein echtes Hin und Her. Die ausgeschlossenen Buchhandlungen wehren sich juristisch, der Börsenverein fordert Aufklärung, und die Hauptpreisträger wurden schließlich fast beiläufig auf einer Website bekannt gegeben – wenig feierlich, wie viele fanden.
Außerdem schauen wir auf eine spannende BoD-Umfrage: Schon jede zweite Autorin und jeder zweite Autor nutzt inzwischen KI-Tools beim Schreiben – vor allem für die Recherche. Aber die Skepsis gegenüber der Qualität wächst.
Und es gibt Neuigkeiten aus der Branche: Bastei Lübbe präsentiert mit „Shelfie Audio" eine neue Idee für Hörbücher im Buchhandel, der DK-Verlag startet die Reihe „DK Deep", und es gibt Personalwechsel bei Carlsen und Thalia. Dazu Termine, Auszeichnungen und mehr.
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00:00:00: Die Nachlese Dein Buchbranchen-Update. Die wichtigsten News der Woche zusammengefasst. Ein Podcast des Börsenblatts. Hallo und herzlich willkommen zum Buchbranchen-Update. Heute mit Kai-Uwe Vogt Wir kommen nicht drum rum. Die neuesten Entwicklungen rund um den Deutschen Buchhandlungspreis sind diese Woche erneut unser Hauptthema Außerdem gibt es wie immer alle wichtigen News und aktuellen Termine aus der Buchbranche. Los geht's! Der Ausspähskandal um den deutschen Buchhandlungspreis spitzt sich weiter zu. Denn laut einem Whistleblower sollen zwei der drei ausgeschlossenen Buchhandlungen sogar für Hauptpreise vorgesehen gewesen sein, verbunden mit je 15.000 Euro Preisgeld, nämlich die Buchläden The Golden Shop und Rote Straße.
Hat Kulturstaatsminister Weimer außerdem gelogen? Laut dem Anwalt der den: Buchladen zur schwankenden Weltkugel vertritt, lautete die offizielle Absagemail, die Weimer verantwortete, Zitat leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie von der unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt wurden, Zitat Ende. Die Anwälte werfen der Behörde deshalb vor, den tatsächlichen Ablauf falsch dargestellt zu haben. Die Jury hat klargemacht, dass sie auf die Streichung keinen Einfluss hatte. Und die unabhängige Jury war auch nicht bereit, andere Buchläden nachzunominieren. Durch die so entstandene Lücke ist der ungeheuerliche Vorgang um die Ausspäheraffäre ja überhaupt erst ans Licht gekommen. Weimers Behörde lässt Medienanfragen, auch das Börsenblatts, zur Sache größtenteils unbeantwortet. Ein Sprecher hat aber bestätigt dass an die ausgeschlossenen Buchläden in täuschender Absicht Standardabsage-Mails verschickt wurden. Begründung, die Abfrage beim Verfassungsschutz sollte geheim bleiben.
Worin die Erkenntnisse der Behörde gegen die drei Buchläden genau bestehen, ist nach wie vor unklar. Die: drei Buchhandlungen haben inzwischen Klage eingereicht. Vor den Verwaltungsgerichten in Berlin und Köln soll unter anderem geklärt werden, ob der Datenaustausch zwischen dem Kulturstaatsministerium und dem Bundesamt für Verfassungsschutz im Rahmen des umstrittenen Haberverfahrens rechtswidrig war. Das Verfahren soll eigentlich der Terrorabwehr dienen. Noch blamabler, die Preisverleihung, die am 19. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfinden sollte, wurde von Weimer kurzfristig abgeblasen Das Kulturstaatsministerium begründete das damit, dass die Debatte um die drei gestrichenen Buchhandlungen den eigentlichen Zweck der Veranstaltung überlagere. Eine angemessene Würdigung der PreisträgerInnen halte er deshalb nicht für möglich. Der Hansa Verlag hat alle ursprünglich nominierten Buchhandlungen zu einer alternativen Feier auf der Leipziger Buchmesse eingeladen. Ein weiteres Angebot gibt's vom Börsenverein. Die Branche reagiert mit scharfer Kritik auf die Entwicklungen.
Längst hat die Affäre und Es sind alle großen Medien: geschafft und auch im Ausland wird berichtet. Auch viele Buchhandlungen solidarisieren sich mit den drei Betroffenen. Viele der ausgezeichneten Buchhandlungen erklärten in einem gemeinsamen Statement ihre Unterstützung und einige von ihnen wollen sogar Geld sammeln, um den ausgeschlossenen Kolleginnen und Kollegen das Preisgeld zu ersetzen. Auch Verbände und Einzelstimmen melden sich zu Wort. Der Landesverband Berlin-Brandenburg vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels rief mit der Rote-Karte-Aktion zum Protest auf. Auch im Vorfeld der Leipziger Buchmesse sind öffentliche Proteste angekündigt. Und der Essener Buchhändler Dennis Hasemann kündigt an, den ihm zugesprochenen Preis unter den gegenwärtigen Umständen nicht anzunehmen.
Damit bleibt der Konflikt um den Deutschen Buchhandlungspreis weiterhin eines der meistdiskutierten Themen der Branche und dürfte auch auf der Leipziger Buchmesse noch für Gesprächsstoff sorgen. Ob Minister Weimer tatsächlich wie geplant auf der Buchmesse auftreten wird, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage des Börsenblattses blieb unbeantwortet.: Buchhandel Der internationale Buchmarkt zeigte 2025 in 12 von 19 untersuchten Regionen einen Umsatzplus, getrieben vor allem von Belletristik. Das zeigt ein Report, der zur London Book Fair veröffentlicht wurde, und zwar von Nielsen IQ Bookdata und GFK Entertainment. Besonders stark wuchsen Märkte wie Indien, Brasilien und Mexiko, während wichtige europäische Länder wie Italien Frankreich und Großbritannien rückläufig waren. Auch Kinder- und Jugendbücher legten in vielen Regionen zu, während das Sachbuchsegment insgesamt nur in wenigen Märkten wuchs. Die Durchschnittspreise stiegen in den meisten Ländern, wobei Neuseeland und Südafrika leichte Preisrückgänge verzeichneten. Das digitale Treffen des unabhängigen Buchhandels »Frühlingserwachen« verzeichnete mit 394 Anmeldungen einen neuen Rekord Organisator Roland Große-Holtford berichtete von über 100.000 Minuten Teilnehmerzeit am ersten Tag.
35 AutorInnen und Autoren waren: bei der Veranstaltung dabei. Amazon zieht sich als Sponsor vom Paris Book Festival zurück, nachdem der französische Buchhändlerverband SLF zum Boykott aufgerufen hatte. Der Verband kritisierte, dass Amazon den Buchhandel destabilisiere und den Markt mit KI-generierten Büchern überschwemme. Die Festivalveranstalter haben die Reißleine gezogen um eine friedliche Durchführung für 450 Aussteller und rund 120.000 BesucherInnen zu gewährleisten. Das Festival findet nun, wie geplant, im April ohne Amazons Präsenz statt. Die Unternehmensgruppen Dr. Eckert und Schmidt & Hahn haben am 1. März ihre dritte gemeinsame Filiale unter der Marke Eckert & Schmidt im Bahnhof Pforzheim eröffnet.
Während einer geplanten Renovierung bis Herbst ist die Buchhandlung zunächst auf einer provisorischen Fläche untergebracht. Das Joint Venture betreibt bereits Filialen in Offenburg und Neustadt an der Weinstraße. Übernimmt zum 1. Mai: die Buchhandlung Jacobi in Frankenberg. Inhaberin Inge Jacobi zieht sich aus dem Geschäft zurück und konzentriert sich auf ihre Buchhandlung im nahegelegenen Marburg. Alle anderen Mitarbeiterinnen bleiben erhalten. Und sonst? Das EU-Parlament fordert klare Regeln und einen funktionierenden Lizenzmarkt für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke durch KI. Ziel ist es, rechte Inhaber zu schützen, eine faire Vergütung sicherzustellen und Transparenz bei Trainingsdaten zu schaffen. Der Börsenverein und andere Verbände begrüßen das Votum als wichtigen Schritt für die Kreativbranche und fordern nun die Europäische Kommission zum Handeln auf. Bookwire übernimmt 100% der Anteile an Zebralution sowie deren Tochtergesellschaften. So will das Unternehmen seine Expertise im digitalen Vertrieb von E-Books, Hörbüchern und Podcasts erweitern.
Die Integration soll Kundinnen mehr Services bieten und die internationale Position im E-Book und Audio-Segment stärken. Ansprechpartner und Prozesse bleiben: zunächst unverändert, Weiterentwicklungen erfolgen schrittweise. Wir kommen zu kurz notiert. Seit dem 9. März können Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Titel für den NDR Sachbuchpreis einreichen. Die Woche der Meinungsfreiheit findet vom 3. bis 10. Mai unter dem Motto »Was ist wahr?« statt. Geplant sind größere Events in Berlin, München, Stuttgart Köln und Frankfurt, sowie viele Aktionen in Buchläden, Kinos und Schulen. Am 10. März wurden die GewinnerInnen des Deutschen Hörbuchpreises bekannt gegeben, darunter Anja Herden als beste Interpretin und Fabian Busch als bester Interpret.
Alle PreisträgerInnen findet ihr auf Börsenblatt.net. Das Schweizer Comic-Magazin Strapazin hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um sein finanzielles Überleben zu sichern, unterstützt von über 120 KünstlerInnen Ziel? 350 neue Abos. Das war die Nachlese für diese Woche. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten: Ausgabe.
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