Kritik an Denis Scheck ++ Österreichischer Buchhandlungspreis ++ Self-Service-Kassen im Buchhandel

Shownotes

In der Nachlese KW 15 geht’s um die Debatte rund um Denis Scheck und „Druckfrisch“: Auslöser ist sein Wegwerfen des Bestsellers „Alt genug“ von Ildikó von Kürthy – und die Kritik von Elke Heidenreich (sowie u. a. Sophie Passmann) an Ton und Umgang mit Büchern von Autorinnen.

Außerdem: Österreichischer Buchhandlungspreis (Preisträger 2026), Self-Checkout-Kassen im Buchhandel inkl. Umfrage (https://www.boersenblatt.net/news/umfrage-waere-eine-self-service-kasse-etwas-fuer-ihre-buchhandlung-419023)), Han Kang wechselt mit den deutschsprachigen Ausgaben zu Ullstein, und der Deutsche Buchpreis 2026 startet (Longlist 11.8., Shortlist 8.9., Preisverleihung 5.10.).

Zum Schluss: Nachruf auf Mario Adorf als Autor sowie Kurz notiert: Ausschreibungen (Deutscher Kalenderpreis/IG Kalender, Serafina, Deutscher Jugendliteraturpreis) und Bonnier beliefert Österreich ab 1.6. über Zeitfracht direkt aus Erfurt.

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00:00:00: Hier ist dein Buchbranchen-Update. Heute mit Jule Heer. Unser Hauptthema diese Woche: Viel Kritik für Denis Scheck – und natürlich gibt’s viele News aus der Buchbranche. Los geht's. 

00:00:24: Dieses Thema hat in den letzten Tagen hohe Wellen geschlagen. Es geht um die ARD-Sendung „Druckfrisch“ und ihren bekanntesten Kritiker, Denis Scheck. Ihr kennt das Ritual: Am Ende der Sendung steht Scheck an einem Förderband, kommentiert die Bestsellerliste und wirft die Bücher, die ihm nicht gefallen, medienwirksam in eine Mülltonne.  Genau das ist in der Ausgabe vom 29. März wieder passiert, und zwar mit dem Sachbuch-Bestseller „Alt genug“ von Ildikó von Kürthy. Mit Schwung landete das Buch in der Tonne. Das hat eine Debatte ausgelöst, die weit über diese eine Situation hinausgeht.  Den Anstoß gab die Autorin und Kritikerin Elke Heidenreich mit einem viel beachteten Beitrag in der „Zeit“. Die Überschrift allein ist schon eine Ansage: „Warum darf Denis Scheck noch immer Bücher in die Tonne werfen?“. Heidenreich argumentiert, dass Scheck mit dieser Aktion nicht nur eine Autorin lächerlich mache, sondern auch „alle Frauen, die dieses Buch gelesen haben, es mögen und es auf Platz eins der Bestsellerlisten geschossen haben, als blöde Trutschen gleich mit.“  Das ist ein deutlicher Vorwurf. Heidenreich stellt dabei vor allem einen, wie sie es nennt, „herablassenden Ton über Bücher von Frauen“ fest. Sie zählt weitere Beispiele auf, darunter die Autorin Caroline Wahl, und bemängelt generell fehlenden Respekt in Schecks Kritiken. Sie findet, dass Gendern allein nichts bringe, wenn sich in den Köpfen nichts ändere.  Ihren eigenen Büchern sei es übrigens ähnlich ergangen, schreibt Heidenreich, geschadet habe es ihnen aber nie. Und damit kommen wir zu einem Zitat, das die Runde macht. Heidenreich schreibt über Schecks Verrisse: „Um Mitternacht vom Teleprompter abgelesene Bosheiten bewirken gar nichts. Im Guten nicht, im Schlechten nicht, dass die ARD so was seit Jahren finanziert, ist so sinn- wie stillos. Kulturauftrag sieht anders aus.“  Die direkt angegriffene Autorin, Ildikó von Kürthy, hat ebenfalls in der „Zeit“ geantwortet. Ihr Artikel trägt die unmissverständliche Überschrift: „Ich kann Sie nicht mehr leiden, Denis Scheck“.  Auch Autorin Sophie Passmann, deren Buch in derselben Sendung in der Tonne landete, meldete sich zum Vorgang. Sie kritisierte Scheck ebenfalls und unterstellte ihm, Büchern von Frauen tendenziell mit Ablehnung zu begegnen.  Buchhandel 

00:02:27: Von der Kontroverse zu einer wirklich erfreulichen Nachricht – dafür blicken wir zu unseren Nachbarn nach Österreich. Dort wurden zum zehnten Mal die besten Buchhandlungen des Landes mit dem Österreichischen Buchhandlungspreis geehrt. Eine Auszeichnung, die zeigt, wie lebendig und kreativ die Buchszene ist.  Insgesamt sechs Buchhandlungen wurden für ihre überzeugenden Konzepte im stationären Handel ausgezeichnet. Fünf davon sind unabhängige Läden, die sich über ein Preisgeld von jeweils 10.000 Euro freuen dürfen. Die Preisträger sind: das Buchcafé Melange in Wien, die Buchhandlung Plautz in der Steiermark, Cervantes & Co | Buch und Wein in Vorarlberg, die LESEWELT, ebenfalls in Wien, und poetenblau DER BUCHLADEN in Oberösterreich.  Zusätzlich wurde ein undotierter Filialpreis vergeben, und der geht in diesem Jahr an die Buchhandlung Frau Hofer in der Bücherstube Horn in Niederösterreich.  Der Preis wird gemeinsam vom österreichischen Kulturministerium und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels vergeben.  Self-Service-Kassen finden sich immer häufiger im Einzelhandel. Die Idee: Kunden, die nicht an der Kasse warten wollen, können selbst ihre Waren scannen und zahlen. Manche finden das praktisch, andere grausig. Auf boersenblatt.net gibt's gerade einen Artikel über solche Kassen im unabhängigen Buchhandel. In einer Umfrage wollen wir außerdem wissen, was Buchhändler:innen davon halten. Den Link zur Umfrage findet ihr in den Shownotes.  Verlage 

00:03:49: Die Literaturnobelpreisträgerin Han Kang hat sich entschieden, mit ihren deutschsprachigen Ausgaben bei Aufbau zu den Ullstein Buchverlagen zu wechseln. Neue Titel erscheinen künftig bei claassen, am 27. August kommt "Der goldene Faden" in den Handel.  Literaturpreise  Das Rennen um den wichtigsten Literaturpreis im Herbst ist offiziell eröffnet: Der Deutsche Buchpreis 2026 sucht den Roman des Jahres.  Insgesamt 180 Titel von 106 Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden eingereicht. Das ist eine gewaltige Menge Lesestoff, die jetzt auf die siebenköpfige Jury wartet. Den Vorsitz hat in diesem Jahr die Journalistin Cornelia Geißler von der „Berliner Zeitung“.  Wie geht es jetzt weiter? Die Jury stellt aus allen Einreichungen eine 20 Titel umfassende Longlist zusammen, die am 11. August veröffentlicht wird. Am 8. September wird es dann richtig spannend, wenn die sechs Romane der Shortlist bekannt gegeben werden.  Wer den Preis und die 25.000 Euro Preisgeld am Ende mit nach Hause nimmt, erfahren wir aber erst am Abend der Preisverleihung. Die findet traditionell zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse statt, in diesem Jahr am 5. Oktober. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden, welche Bücher es in die engere Auswahl schaffen.  Und sonst? 

00:05:01: Ihr habt es in den Nachrichten sicher schon gehört: Mario Adorf ist vergangene Woche im Alter von 95 Jahren gestorben. Wir wollen aber nicht nur an den unvergesslichen Filmstar aus Klassikern wie "Die Blechtrommel" erinnern, sondern auch an den Autor. Denn vielen ist vielleicht gar nicht so bewusst, dass er über Jahrzehnte auch ein sehr produktiver Schriftsteller war. Seit 1992 hat er seine Bücher im Verlag Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht – darunter Titel wie "Der Mäusetöter" oder "Himmel und Erde". Erst im vergangenen Jahr erschien dort der Band "Zugabe!". Im Buch zieht Adorf im Gespräch mit Autor Tim Pröse eine sehr persönliche Lebensbilanz. Mario Adorf hinterlässt also nicht nur auf der Leinwand Spuren, sondern auch zwischen den Buchdeckeln.  Kurz notiert

00:05:45: Die IG Kalender sucht die besten Kalender 2027. Verlage können Titel, auch Adventskalender, bis zum 3. Juli für den Deutschen Kalenderpreis einreichen.  Auch der Illustrationsnachwuchspreis Serafina des Börsenblatts, der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur und der Frankfurter Buchmesse, geht in die nächste Runde. Verlage können auch hier Vorschläge einreichen.  Beim Deutschen Jugendliteraturpreis 2027 sind ebenfalls Bewerbungen ab sofort möglich. 

Die deutschen Bonnier-Verlage beliefern Österreich ab 1. Juni direkt aus Erfurt über Zeitfracht. Die Gruppe hatte zuvor über Mohr Morawa ausgeliefert und begründet den Wechsel mit wirtschaftlichen Gründen.: Die deutschen Bonnier-Verlage beliefern Österreich ab 1. Juni direkt aus Erfurt über Zeitfracht. Die Gruppe hatte zuvor über Mohr Morawa ausgeliefert und begründet den Wechsel mit wirtschaftlichen Gründen.

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