Carlsen klagt gegen OpenAI ++ Saga Egmont übernimmt Kindermann ++ Englisch-Boom im Buchmarkt

Shownotes

Weitere Themen: ein neuer Verlag von Olivier Nora in Paris, Veränderungen im Buchhandel, neue Spielregeln für den Preis der Leipziger Buchmesse, Angriffe auf die ukrainische Buchbranche, die geplante Registrierkassenpflicht und mehrere Kurzmeldungen aus der Branche.

Themen der Folge

  • Carlsen, Marc-Uwe Kling und Astrid Henn klagen gegen OpenAI wegen der Bilderbuchreihe „Das NEINhorn“.
  • Saga Egmont übernimmt den Kindermann Verlag in Berlin.
  • Englischsprachige Bücher haben sich im deutschsprachigen Markt zu einem relevanten Teilmarkt entwickelt.
  • Olivier Nora gründet nach seinem Abschied bei Grasset einen eigenen Verlag.
  • Der Kinderbuchladen Zürich bekommt mit Orell Füssli Thalia eine neue Partnerin.
  • Der andere Buchladen in Krefeld wird zur Genossenschaft.
  • „Nilsson“ startet zur Frankfurter Buchmesse als neues Kinderbuch-Magazin.
  • Die Lesumer Lesezeit erhält den Bremer Buchhandlungspreis.
  • Für den Preis der Leipziger Buchmesse 2027 gelten neue Einreichungsregeln.
  • Die ukrainische Buchbranche ist erneut von schweren Angriffen betroffen.
  • Der Handelsverband Deutschland warnt vor Kosten durch die geplante Registrierkassenpflicht.
  • Kurz notiert: Bookwire, Friedenspreis, Deutscher Buchpreis, Ravensburger, De Gruyter Brill, LeseLust, Krimifestival Erfurt und Selfpublisher-Verband.

Links zur Folge

Über die Nachlese

Die Nachlese fasst die wichtigsten Entwicklungen aus der Buchbranche kompakt zusammen — für alle, die wissen wollen, was Verlage, Buchhandlungen und der Markt gerade bewegt.

Transkript anzeigen

00:00:00: Jule Heer: Die Nachlese. Dein Buchbranchen-Update. Die wichtigsten News der Woche zusammengefasst. Ein Podcast des Börsenblatts.

00:00:07: Kai-Uwe Vogt: Herzlich willkommen zur Nachlese, deinem Buchbranchen-Update. Heute wieder mit Kai-Uwe Vogt. Und das sind unsere Hauptthemen: Carlsen klagt gegen OpenAI, Saga Egmont übernimmt den Kindermann Verlag, Englisch-Boom im Buchmarkt. Los geht’s.

00:00:25: Kai-Uwe Vogt: Die Buchbranche hat einen weiteren großen Rechtsfall rund um KI und das Urheberrecht. Carlsen, Autor Marc-Uwe Kling und Illustratorin Astrid Henn klagen gegen OpenAI. Es geht um die Rechte an der Bilderbuchreihe „Das NEINhorn“. Die Klage liegt beim Landgericht München und richtet sich gegen OpenAI Ireland, also den Betreiber von ChatGPT in Europa.

00:01:02: Kai-Uwe Vogt: Der Vorwurf: Schon einfache Eingaben erzeugen Geschichten, die dem Original in wichtigen Elementen ähneln. Auch die Illustrationen sollen auf den ersten Blick kaum von den Originalen zu unterscheiden sein. ChatGPT schlägt demnach sogar selbst weitere Texte und Bilder mit Figuren und Schauplätzen der Reihe vor. In Tests habe das System außerdem komplette Druckvorlagen erstellt, inklusive Umschlag, Impressum, erfundener ISBN und Verlagslogo.

00:01:48: Kai-Uwe Vogt: Carlsen, Kling und Henn gehen deshalb davon aus, dass ihre Werke ohne Erlaubnis zum Training der Sprach- und Bildmodelle genutzt wurden und in den Modellen abrufbar sind. Wir haben das in der Börsenblatt-Redaktion selbst geprüft und waren verblüfft, wie selbstständig und proaktiv ChatGPT Geschichten und Bilder zum „NEINhorn“ erstellt.

00:02:31: Kai-Uwe Vogt: Der Verlag fordert, die unlizenzierte Nutzung zu beenden, mögliche Missstände offenzulegen und Verantwortung für bereits entstandene Schäden zu übernehmen. Im Frühjahr hatte bereits Penguin Random House gemeinsam mit Autor und Illustrator Ingo Siegner in ähnlicher Sache gegen OpenAI geklagt. Denn nicht nur „NEINhorn“-Slops werden von der KI erstellt, sondern auch Inhalte zu „Der kleine Drache Kokosnuss“. Bis die Klagen durchgefochten sind, dürfte es Jahre dauern. Viele Verlage und Rechteinhaber hoffen auf Grundsatzurteile, um Urheberrechtsverletzungen durch KI-Anbieter künftig besser zu unterbinden.

00:04:24: Kai-Uwe Vogt: Saga Egmont hat den Kindermann Verlag in Berlin übernommen. Für die dänische Mediengruppe ist das der dritte Zukauf in Deutschland nach dotbooks und dem Gmeiner Verlag. Diesmal steht das Kinderbuch im Mittelpunkt. Der Kindermann Verlag soll eigenständig bleiben, mit eigenem Budget und eigenem Forecast. Auch der Standort in Berlin-Charlottenburg und das Team um Anna Kindermann, Elisa Kollmann und Karolin Kolbe bleiben erhalten.

00:04:58: Kai-Uwe Vogt: Anna Kindermann hatte bereits seit einigen Monaten nach einem Partner gesucht. Der Verlag wurde mehrfach mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet. Für den nächsten Wachstumsschritt fehlten jedoch Kapital und Strukturen. Die liefert nun Saga Egmont. Geplant sind mehr Titel, neue Formate und eine stärkere internationale Nutzung des Programms. Aus bislang rund zwölf Titeln im Jahr könnten künftig bis zu 50 werden. Auch Stoffe für Kinderhörbücher sollen entwickelt werden. Saga übernimmt außerdem administrative Aufgaben sowie Teile von Marketing und Vertrieb. So soll Anna Kindermann mehr Zeit fürs Büchermachen bekommen. Die Klassiker bleiben dabei das Herz des Verlags, ergänzt um neue Pappbilderbücher.

00:05:09: Kai-Uwe Vogt: Englischsprachige Bücher haben sich im deutschsprachigen Markt in wenigen Jahren von der Nische zu einem relevanten Teilmarkt entwickelt. Zwischen 2019 und 2024 verdoppelte sich der Absatz auf mehr als zehn Millionen Exemplare pro Jahr. Das bisherige Spitzenjahr brachte rund 150 Millionen Euro Umsatz.

00:05:49: Kai-Uwe Vogt: Besonders gefragt ist Belletristik. Sie macht 84 Prozent der Importverkäufe aus. Ihr Marktanteil lag bei knapp fünf Prozent, bei Ratgebern waren es vier Prozent. 2025 ging die Nachfrage im Zuge der schwachen Buchkonjunktur zwar zurück: um acht Prozent bei den Stückzahlen und um drei Prozent beim Umsatz. Englischsprachige Ratgeber blieben jedoch stabil und gewannen Marktanteile.

00:06:16: Kai-Uwe Vogt: Impulse kommen vor allem aus Romance, Fantasy und Young Adult, häufig über TikTok. Für deutsche Verlage entsteht daraus ein Balanceakt: Der Englisch-Boom belebt den Markt, kann aber deutsche Lizenzausgaben kannibalisieren. Schwierig ist außerdem die starke Fokussierung der Käuferinnen und Käufer auf Bestseller und schnelllebige Social-Media-Trends.

00:06:24: Kai-Uwe Vogt: Verlage. Der ehemalige Grasset-Verleger Olivier Nora hat in Paris einen eigenen Verlag gegründet. Nach seiner Entlassung hatten rund 200 Autorinnen und Autoren Grasset verlassen. Die Olivier Nora Editions starten im Oktober mit zwei Titeln. Ab Januar sollen jährlich 30 bis 50 Bücher erscheinen. Unterstützt wird Nora von der französischen Verlagsgruppe Editis.

00:06:48: Kai-Uwe Vogt: Buchhandel. Der Kinderbuchladen in Zürich bekommt ab September mit Orell Füssli Thalia eine neue Partnerin. Schuler Bücher bleibt verantwortlich für Personal und operative Führung. Orell Füssli Thalia übernimmt unter anderem Ware, Systeme und Logistik. Das Profil des Ladens bleibt unverändert. Nach einem Umbau 2027 soll er als „Kinderbuchladen Zürich Schuler Orell Füssli“ auftreten.

00:07:10: Kai-Uwe Vogt: Der andere Buchladen in Krefeld wird zur Genossenschaft. Ein Anteil kostet 500 Euro. Die persönliche Haftung ist ausgeschlossen. Das Kapital soll unter anderem in Sortiment, Online-Auftritt und eine Lese- und Treffpunktecke fließen. Am 9. September informiert das Team über die Beteiligungsmöglichkeiten.

00:07:28: Kai-Uwe Vogt: Zur Frankfurter Buchmesse startet „Nilsson“, ein kostenloses Kinderbuchmagazin der Schmitz Buchhandlungen und des Gestaltungsbüros erste liga. Es erscheint zweimal jährlich. Die Erstausgabe hat 60 Seiten und eine Auflage von 30.000 Exemplaren. Mehr als 120 Rezensionen und redaktionelle Beiträge sollen Orientierung im Kinderbuchdschungel bieten. Buchhandlungen können das Magazin ab 200 Exemplaren individuell für ihre Kundinnen und Kunden gestalten. „Nilsson“ tritt in die Fußstapfen des „Kilifü“.

00:07:53: Kai-Uwe Vogt: Den mit 3.000 Euro dotierten Bremer Buchhandlungspreis erhält die Lesumer Lesezeit. Inhaberin Svenja Esch überzeugte mit einem erweiterten Laden, Veranstaltungen und Leseförderung. Weitere Preise gehen an die Buchhandlung Peterswerder von Christine Fritsch und den Buchladen in der Neustadt von Jens Evers und Bernd Treib.

00:08:12: Jule Heer: Literaturpreise.

00:08:14: Kai-Uwe Vogt: Verlage können bis zum 30. September Titel für den Preis der Leipziger Buchmesse 2027 einreichen. Neu ist: Wer pro Kategorie zwei Titel einreicht, muss mindestens einen davon zwischen Dezember und März 2027 veröffentlichen. Außerdem verstärkt „taz“-Redakteurin Julia Hubernagel die Jury. Die Nominierten des Preises werden im Februar bekannt gegeben, die Preise im März auf der Leipziger Buchmesse verliehen. Einreichen können übrigens nur ausstellende Verlage, sie müssen zumindest Mitaussteller sein.

00:08:40: Jule Heer: Und sonst?

00:08:42: Kai-Uwe Vogt: Die ukrainische Buchbranche ist erneut von verheerenden Angriffen betroffen. Bei einem Bombenangriff auf zwei Logistikzentren in Charkiw wurden mehr als acht Millionen Bücher zerstört. Sechs Menschen kamen bei den Angriffen auf Verlage, Druckereien und Lagerhäuser ums Leben. Mehrere Verlage stehen vor dem Aus. Der Börsenverein unterstützt eine Spendenaktion für die ukrainische Buchbranche. Den Link findet ihr in unseren Shownotes.

00:08:43: Kai-Uwe Vogt: Die geplante Registrierkassenpflicht ist noch ein Gesetzentwurf. Vorgesehen ist sie laut Plänen der Bundesregierung ab 2028 für Unternehmen mit mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz, unabhängig vom Bargeldumsatz. Der Handelsverband Deutschland warnt vor zusätzlichen Kosten und fordert Ausnahmen. Die konkreten Regeln und mögliche Härtefallbefreiungen werden erst im weiteren Gesetzgebungsverfahren festgelegt. Betriebe müssen derzeit also noch nicht handeln, sollten das Thema aber auf dem Radar behalten. Denn für viele wäre das das Ende der Handkasse.

00:08:56: Kai-Uwe Vogt: Wir kommen zu „Kurz notiert“. Bookwire übernimmt den digitalen CB-Katalog mit 105.000 E-Books und Hörbüchern sowie Vertriebsleistungen.

00:09:05: Kai-Uwe Vogt: Mirjam Zadoff hält die Laudatio auf Philippe Sands beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Reden erscheinen erstmals bei Reclam.

00:09:12: Kai-Uwe Vogt: Die Longlist für den Deutschen Buchpreis steht fest. In einer Börsenblatt-Umfrage können Leserinnen und Leser abstimmen, welche Romane auf die Shortlist gehören. Wir freuen uns, wenn ihr mitabstimmt.

00:09:23: Kai-Uwe Vogt: Ravensburger vertreibt künftig ausgewählte LEGO-Bücher des polnischen Verlags AMEET in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Geplant sind rund 40 Neuerscheinungen und 60 Bestandstitel.

00:09:33: Kai-Uwe Vogt: De Gruyter Brill und die Max-Planck-Gesellschaft haben eine zweijährige Open-Access-Vereinbarung geschlossen. Sie ermöglicht den Instituten Zugang zu rund 800 Zeitschriftentiteln und kostenfreies Publizieren für Forschende.

00:09:43: Kai-Uwe Vogt: Buchhandlungen in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland, die sich besonders für Leseförderung engagieren, können sich noch bis zum 30. September für die Auszeichnung „LeseLust“ bewerben.

00:09:50: Kai-Uwe Vogt: Das Krimifestival Erfurt wächst. Vom 1. bis 24. Oktober stehen 17 Lesungen an sechs Orten auf dem Programm.

00:09:54: Kai-Uwe Vogt: Der Selfpublisher-Verband hat Autaria als neuen Sponsor gewonnen. Der Auflagendruckdienstleister bietet Druck ab 500 Exemplaren, Lagerung und Vertrieb über Barsortimente.

00:09:59: Kai-Uwe Vogt: Das war die Nachlese für diese Woche. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

00:10:04: Jule Heer: Das war die Nachlese, dein Montagsupdate. Das Börsenblatt für die Ohren. Willst du uns unterstützen? Dann bewerte unseren Podcast in deiner Podcast-App. Für mehr News aus der Buchbranche abonniere die kostenfreien Börsenblatt-Newsletter.

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