EVTs: Buchhändler:innen schreiben offenen Brief ++ Leipziger Buchmesse voraus

Shownotes

Das Montagsupdate des Börsenblatts fasst die wichtigsten Nachrichten der Woche zusammen. Diesmal geht es um einen offenen Brief unabhängiger Buchhandlungen an Verlage, die Programmvorstellung der Leipziger Buchmesse und weitere Meldungen aus Verlagen, Buchhandel und Literaturpreisen.

Themen der Folge

  • Offener Brief an Verlage: Über 600 Buchhandlungen fordern Konsequenzen bei Verstößen gegen Erstverkaufstage, Transparenz gegenüber Handelspartnern und ein wirtschaftlich wirksames Bekenntnis zum unabhängigen Buchhandel.
  • Leipziger Buchmesse 2027: Das Motto lautet "Neugier öffnet neue Seiten". Die Messe findet vom 18. bis 21. März statt. Erstmals treten drei Länder gemeinsam als Gastland auf. Neu ist außerdem ein Publishers Summit.
  • Verlage: Bastei Lübbe startet das Imprint LIV. Der Iudicium Verlag erhält den Japan Foundation Award, der Kindermann Verlag den Wildweibchenpreis.
  • Buchhandel: Thalia eröffnet in Mainz eine neue Filiale und testet in Leipzig gemeinsam mit Cornelsen ein Shop-in-Shop-Konzept. Nach Protesten wurden Buchhandlungen in Frankreich und in Turin beschädigt. Das Buchhaus Lüthy übernimmt eine Buchhandlung in Zürich. Momox hat seinen Logistikstandort in Leipzig automatisiert.
  • Literaturpreise und Spiele: Shida Bazyar erhält den Bayerischen Literaturpreis, Tomer Gardi den Péter-Horváth-Literaturpreis. Auf der Spiel Essen wurde der Deutsche Spielepreis verliehen.
  • Kurz notiert: KI-Assistent im Peer Review, Servicepakete für Selfpublisher, Archivübernahme beim DLA Marbach, Comicboom in Italien und der Vorlesemonitor der Stiftung Lesen.

Links zur Folge

Über die Nachlese

Die Nachlese ist das Buchbranchenupdate des Börsenblatts, das Montagsupdate für die Buchbranche. Wer den Podcast unterstützen möchte, kann ihn in der Podcast-App bewerten. Für mehr News aus der Buchbranche gibt es die kostenfreien Börsenblatt-Newsletter.

Transkript anzeigen

00:00:00: Jule Heer: Die Nachlese.

00:00:02: Kai-Uwe Vogt: Die Nachlese.

00:00:03: Jule Heer: Dein Buchbranchenupdate. Die wichtigsten News der Woche zusammengefasst. Ein Podcast des Börsenblatts.

00:00:10: Kai-Uwe Vogt: Herzlich willkommen zu deinem Buchbranchen-Update. Hier ist Kai-Uwe Vogt und das sind unsere Themen diese Woche: Indie-Buchhandlungen schreiben Verlagen einen offenen Brief, die Leipziger Buchmesse stellt ihr Programm vor und viele weitere Themen.

00:00:22: Kai-Uwe Vogt: Wiederholte Verstöße gegen Erstverkaufstage haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Buchhandlung Ute Hentschel aus Burscheid hat einen offenen Brief veröffentlicht und inzwischen haben ihn über 600 Buchhandlungen unterschrieben. Der Brief richtet sich an Verlage und ihre Vertriebsabteilungen kurz vor der Woche unabhängiger Buchhandlungen. Er stellt drei klare Forderungen. Die erste lautet: Konsequenzen bei Verstößen gegen verbindliche Erstverkaufstage. Ein Erstverkaufstag, dessen Missachtung folgenlos bleibt, sei wertlos, schreiben die Unterzeichnenden.

00:01:02: Kai-Uwe Vogt: Die zweite: Transparenz gegenüber allen Handelspartnern. Wie gehen Verlage mit Verstößen um und wie wollen sie Wiederholungen verhindern? Die dritte: ein wirtschaftlich wirksames Bekenntnis zum unabhängigen Buchhandel. Nicht nur in Grußworten und Sonntagsreden, sondern in konkreten Entscheidungen über Vertrieb, Exklusivität und Belieferung.

00:01:23: Kai-Uwe Vogt: Ausgelöst wurde der Brief durch mehrere Vorgänge. Exemplare eines Titels von Rebecca Yarros wurden von Thalia zu früh verschickt. Das Unternehmen veröffentlichte einen lustig gemeinten Instagram-Post, entschuldigte sich aber nicht. Der neue Thriller von Sebastian Fitzek tauchte wohl ebenfalls vorzeitig im Buchhandel auf und war scheinbar auch in REWE-Filialen zu finden.

00:01:46: Kai-Uwe Vogt: Bei vielen unabhängigen Buchhandlungen kam statt der bestellten Sonderedition teilweise die reguläre Ausgabe an, ohne Vorwarnung. Und Videos sollen eine vorzeitige Präsentation eines neuen Titels bei Hugendubel zeigen. Die Buchhandlungen erwarten eine transparente Aufklärung. Überhaupt sorgen Sonderausgaben für Verstimmung.

00:02:05: Kai-Uwe Vogt: Der Brief nennt exklusive Sondereditionen für große Ketten und exklusive Erstvermarktungen von Hörbüchern, die kleinen Buchhandlungen einen monatelangen Umsatznachteil bescheren. Auch Sonderflächen und privilegierte Präsentationen blieben vielen kleineren Häusern verwehrt. Eine unfaire Handelspraxis, meinen die Unterzeichnenden.

00:02:25: Kai-Uwe Vogt: Besonders sauer stoßen ihnen die bekannten Sonntagsreden auf. Der unabhängige Buchhandel werde ständig als unverzichtbar gefeiert, während ihm immer neue Nachteile zugemutet würden. Warum Verlage die Vielfalt rituell beschwören und zugleich die größten Konkurrenten stärken, fragen sie. Eine Branchenlösung ist nicht in Sicht.

00:02:44: Kai-Uwe Vogt: Der Börsenvereinsvorstand hat bereits zur Sache getagt und über einen möglichen Kodex beraten. Verbindliche Erstverkaufstage müssten mit dem Bundeskartellamt abgesprochen werden, mit sehr vagen Erfolgsaussichten und hohem Verwaltungsaufwand. Eine Teilnahme für alle Marktteilnehmer wäre am Ende wohl trotzdem freiwillig.

00:03:02: Kai-Uwe Vogt: So blieb es bei einem eindringlichen Appell, Erstverkaufstage konsequent umzusetzen. Bei versehentlichen Verstößen sollen freiwillige Spenden ans Sozialwerk zur Regel werden.

00:03:14: Kai-Uwe Vogt: Die Leipziger Buchmesse 2027 steht unter dem Motto "Neugier öffnet neue Seiten" und findet vom 18. bis 21. März statt. Erstmals treten drei Länder gemeinsam als Gastland auf.

00:03:28: Kai-Uwe Vogt: Polen, Frankreich und Deutschland fragen unter dem Titel "Beziehungsweise Europa", welche Verantwortung sie für Europas Zukunft tragen. Für die Branche neu ist außerdem ein Publishers Summit. Er soll die Chefinnen und Chefs der 100 größten Verlage im deutschsprachigen Raum zusammenbringen. Die Messe will sich auch stärker als Bildungsmesse etablieren, etwa mit einem neuen Schwerpunkt Lebenslanges Lernen und Formaten für Jugendliche und Pädagog*innen.

00:03:58: Kai-Uwe Vogt: Neu sind auch ein B2B-Bereich in der Audiowelt und das Format "Beste erste Bücher".

00:04:06: Kai-Uwe Vogt: Bastei Lübbe startet ein weiteres neues Verlagsimprint. Auf LYX folgt LIV. LIV steht für Liebesromane für Leser:innen ab Ende 20 und knüpft an die Zielgruppe für New Adult-Titel an. Das erste Programm mit sechs Titeln soll im Frühjahr 2027 erscheinen.

00:04:25: Kai-Uwe Vogt: Das Imprint steht unter der Leitung von Stephanie Bubley und wird vom LYX-Lektoratsteam gestaltet und vom LYX-Vermarktungsteam betreut. Der Verlag baut eigene Social-Media-Kanäle auf. Der Münchner Iudicium Verlag hat den Japan Foundation Award erhalten und damit zum ersten Mal ein Verlag außerhalb Japans.

00:04:44: Kai-Uwe Vogt: Verlegerin Aimee Dornier hat den Preis in Tokyo entgegengenommen. Seit rund 40 Jahren ist der Verlag auf Japanologie und Ostasienwissenschaften spezialisiert. Im Rahmen der 31. Reichelsheimer Märchen- und Sagentage wurde Anna Kindermann mit dem Wildweibchenpreis ausgezeichnet.

00:05:03: Kai-Uwe Vogt: Erstmals ging der Preis an einen Verlag. Der Kindermann Verlag erhält 1.500 Euro und eine eigens hergestellte Skulptur. Nach den großen Erfolgen der ersten beiden Plakate "Wer bekommt was vom Buch?" und "Was macht ein Verlag?" widmet sich die Kurt Wolff Stiftung zur Förderung unabhängiger Verlage diesmal den Buchhandlungen.

00:05:24: Kai-Uwe Vogt: Das Plakat "Was macht eine Buchhandlung?" und viele Motive gibt's unter anderem bei ProLIT und der Kurt Wolff Stiftung. Wir packen euch den Link in die Show Notes.

00:05:36: Kai-Uwe Vogt: Am 23. Oktober hat Thalia eine neue Buchhandlung in Mainz eröffnet. Die Verkaufsfläche von 1.200 Quadratmetern verteilt sich auf drei Etagen in der Schöfferstraße.

00:05:49: Kai-Uwe Vogt: Und in Leipzig testet Thalia auch etwas Neues. In der Filiale in der Grimmaischen Straße betreiben Thalia und Cornelsen erstmals ein Shop-in-Shop-Konzept für Lehrer und Schüler:innen. Ihr habt es mitbekommen: Am Rand der Schülerproteste in Frankreich gab es auch schwere Gewalttaten und Plünderungen.

00:06:07: Kai-Uwe Vogt: Mitte Oktober sind in Frankreich zahlreiche Buchhandlungen in mehreren Städten so stark verwüstet worden, dass ungewiss ist, ob und wann sie wieder öffnen können. Auch in Italien wurde bei Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten die Feltrinelli-Buchhandlung in Turin demoliert. Einen Überblick über die Schäden und die Stimmen der Betroffenen findet ihr auf boersenblatt.net, Link in den Show Notes.

00:06:32: Kai-Uwe Vogt: In Zürich übernimmt das Buchhaus Lüthy die Buchhandlung am Hottingerplatz. Das komplette Team bleibt an Bord. Schweizweit betreibt Lüthy 23 Buchhandlungen. Der Re-Commerce-Anbieter Momox hat seinem größten Logistikstandort in Leipzig ein Update verpasst und die Sortierprozesse weitgehend automatisiert.

00:06:52: Kai-Uwe Vogt: Pro Tag durchlaufen durchschnittlich 60.000 Bestellungen die Anlage. Künftig könnten jetzt noch mehr Bücher und Modeartikel verschickt werden.

00:07:04: Kai-Uwe Vogt: Shida Bazyar erhält nach dem Deutschen Buchpreis nun auch den Bayerischen Literaturpreis für ihren Roman "Die Lücken". In der Kategorie Sachbuch wurde Susanne Heim für ihr Buch "Die Abschottung der Welt" ausgezeichnet.

00:07:18: Kai-Uwe Vogt: Der Bayern 2-Publikumspreis ging an das Buch "Dear Britain" von Annette Dittert. Tomer Gardi wird für seinen Roman "Liefern" (Tropen Verlag) mit dem Péter-Horváth-Literaturpreis ausgezeichnet. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro. Die Autorinnen Ruth Amstutz, Lisa Bolyos und Lotti Spieler werden mit dem Wortmeldungen Ulrike Crespo Förderpreis für kritische Kurztexte 2026 ausgezeichnet.

00:07:47: Kai-Uwe Vogt: Die Spiel Essen ist vorletzten Sonntag zu Ende gegangen. Fast 250.000 Spielefans waren mit dabei. Auch der Deutsche Spielepreis wurde verliehen. Der erste Platz geht an "Artengarten" von Mathias Wigge, erschienen bei Feuerland Spiele. Platz zwei: "Boss Fighters QR" von Lukas Zach und Michael Palm, erschienen bei Pegasus Spiele.

00:08:11: Kai-Uwe Vogt: Dritter Platz: "Galactic Cruise" von T. K. King, Dennis Northcott und Koltin Thomson, erschienen bei PD-Verlag. Bestes Kinderspiel ist "Toriki: Eine Insel voller Abenteuer" von Wojciech Grajkowski, erschienen bei Mirakulus. Das Börsenblatt hat sich auf der Spiel Essen unter Aussteller:innen umgehört. Einen Nachbericht verlinken wir euch in den Show Notes.

00:08:31: Kai-Uwe Vogt: Damit kommen wir zu Kurz notiert. Springer Nature und Google DeepMind starten eine Forschungspartnerschaft für einen KI-Assistenten im Peer Review. Gutachtende sollen so entlastet werden. tolino media bietet in Kooperation mit buch.media jetzt drei Service-Pakete für Selfpublisher, und zwar in den Bereichen Korrektorat, Lektorat, Covergestaltung und Buchsatz.

00:08:58: Kai-Uwe Vogt: Das DLA Marbach erwirbt das Archiv der Literatur- und Medienagentur Graf & Graf. Der Bestand umfasst Korrespondenz, Verträge und ein Bucharchiv. Der Comic-Boom in Italien setzt sich fort: Jedes zehnte verkaufte Buch war in diesem Jahr ein Comic. Auch in Bibliotheken wachsen dort die Bestände kräftig. Der Vorlesemonitor der Stiftung Lesen und der ZEIT-Mediengruppe ist erschienen.

00:09:25: Kai-Uwe Vogt: Demnach lesen Eltern häufiger vor. Aber bei Eltern mit niedriger Bildung noch immer deutlich seltener als in Familien mit hoher Bildung. Das war die Nachlese für diese Woche. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

00:09:40: Jule Heer: Das war die Nachlese, dein Montagsupdate, das Börsenblatt für die Ohren. Willst du uns unterstützen?

00:09:46: Jule Heer: Dann bewerte unseren Podcast in deiner Podcast-App. Für mehr News aus der Buchbranche abonniere die kostenfreien Börsenblatt-Newsletter.

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